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Grundlagenfächer

Im Alltag des Studiums ist Rechtswissenschaft vor allem Rechtsdogmatik. Sie interessiert sich für Rechtssätze, die in Gesetzen, Urteilen und Verwaltungsentscheidungen niedergelegt sind und versucht, sie zu verstehen, auszulegen und zu systematisieren. Jura zu studieren, bedeutet deshalb vor allem, „das Gesetz und seine Auslegung“ kennen zu lernen. Das heißt praktisch, sehr viele Fälle zu lösen.

Die Grundlagenfächer Rechtsgeschichte, Rechtssoziologie und Rechtsphilosophie, die Teil des Prüfungsstoffes sind, bieten die Gelegenheit, sich angesichts dieser Stoffmenge zu orientieren. Sie ermöglichen es den angehenden Rechtswissenschaftler(inne)n, sich mit den vorgegebenen, zu lernenden Normen und Entscheidungen kritisch auseinanderzusetzen und sich über die Kriterien des Urteilens klar zu werden, um so letztendlich auch selbst bestimmt Position beziehen zu können.

Die Rechtsgeschichte, die vor allem in die germanistische und die romanistische Richtung unterteilt wird, bietet einerseits die Faszination einer zweckfreien Beschäftigung, nämlich die Gelegenheit, sich mit heute nicht mehr präsenten Regelungen zu beschäftigen und die selbständige Quellenarbeit und Exegese – d.h. die Methoden des Historikers – kennen zu lernen. Die Rechtsgeschichte kann andererseits auch dabei helfen, aus den Rechtsordnungen der Vergangenheit Sicherheit und Orientierung für die Entscheidung gegenwärtiger Rechtsprobleme zu gewinnen und insbesondere die auf das römische Recht zurückgehende gemeinsame Rechtstradition der westlichen Staaten bewusst zu halten.

Die Rechtssoziologie beobachtet und beschreibt nicht „law in the books“, sondern „law in action“, d.h. das „lebende“, tatsächlich vollzogene Recht in seinen empirischen sozialen Auswirkungen und lässt so Rückschlüsse auf notwendige Veränderungen von rechtlichen Regelungen angesichts sich stets verändernder gesellschaftlicher Lebensumstände zu. Sie fragt danach, wie das Recht in der Gesellschaft funktioniert (oder nicht funktioniert), und was das wirklich ist, worauf Sie sich als Studierende des Rechts einlassen.

In der Kriminologie, die die Ursachen, Formen und Möglichkeiten der Prävention von kriminellen Handlungen erforscht, wird ein ausdifferenzierter Aspekt der Rechtssoziologie in eigenen Veranstaltungen vertieft behandelt.

Die Rechtsphilosophie schließlich deckt die normativen Grundlagen von rechtlichen Regelungsansprüchen auf und fragt nach der Bedeutung von Recht sowie den Kriterien für „richtiges“, also gerechtes Recht. Sie ermöglicht eine intellektuelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Rechtfertigungsmodellen von Normen und Entscheidungen, um die zukünftige Rechtsentwicklung verbessern und mit schwierigen Rechtsproblemen umgehen zu können. Veranstaltungen zur Rechtstheorie und zur Juristischen Methodenlehre runden dieses Spektrum ab.

An der rechtswissenschaftlichen Fakultät der WWU Münster werden in allen Grundlagenfächern regelmäßig Einführungs- und Vertiefungsvorlesungen sowie Seminare angeboten. Im ersten Studienabschnitt müssen Sie aus diesem Angebot zwei Lehrveranstaltungen im Umfang von jeweils 2 SWS über die Grundlagen des Rechts besuchen. Eine dieser Veranstaltungen muss die geschichtlichen, eine die philosophisch-gesellschaftlichen Grundlagen des Rechts behandeln. Der zweite Studienabschnitt sieht eine weitere Lehrveranstaltung aus dem Bereich der Grundlagenfächer vor. Durch die Teilnahme an einem Seminar kann schließlich auch ein Teil der Examensleistung im Bereich der Grundlagen des Rechts erbracht werden, da die Seminare der Grundlagenfächer regelmäßig für alle Schwerpunktbereiche angerechnet werden. 

Allen Grundlagenfächern gemeinsam ist die verstärkte Herausforderung des Selbststudiums, da in der Regel keine Arbeitsgemeinschaften angeboten werden können. Dafür bestehen Hilfestellungen seitens der Lehrenden. Gerade aber die Möglichkeit, geltendes Recht aktiv zu hinterfragen, ist im juristischen Ausbildungsbetrieb einzigartig. Aus diesem Grund empfiehlt die Studienordnung im übrigen, weitere Lehrveranstaltungen in Grundlagenfächern als ergänzende Lehrveranstaltungen zu besuchen.

Prof. Dr. Thomas Gutmann und Dr. Bernhard Jakl

Eine Übersicht der Klausuren, die Ihr in der Fachschaft ausleihen könnt, findet Ihr hier.